Geschichte Bad Wörishofen – Vom Kloster zur Kneippstadt

Die Geschichte Bad Wörishofen reicht vom mittelalterlichen Kloster bis zur modernen Kneippstadt. Berühmt wurde der Ort vor allem durch Pfarrer Sebastian Kneipp, der ab 1855 in Wörishofen wirkte und mit seinen Wasserheilanwendungen Besucher aus aller Welt anzog. Dank Kneipps Erfolg wandelte sich das beschauliche Dorf zu einem florierenden Kurort: 1920 erhielt Wörishofen das Prädikat „Bad“, 1949 folgte die Erhebung zur Stadt.
Wörishofen vor Kneipp: Kloster und Dorfgeschichte
Wörishofen wurde im Jahr 1067 erstmals urkundlich als Herrschaft „Werenshova“ erwähnt. Der Ortsname bedeutet so viel wie „bei den Höfen des Werin“ und verweist auf ein frühes adeliges Gut. Im Jahr 1243 vermachte die Witwe Christina von Fronhofen ihren Besitz in Wörishofen dem Dominikanerorden – die Grundlage für die Klostergründung. Das Dominikanerinnen-Kloster Wörishofen wurde zwischen 1719 und 1721 unter Leitung des Baumeisters Franz Beer errichtet. Über Jahrhunderte blieb Wörishofen ein ruhiges, landwirtschaftlich geprägtes Dorf im Allgäu, das rund um das Kloster und die Kirche St. Justina wuchs. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das gemächliche Leben vor Ort grundlegend.
Sebastian Kneipp: Leben und Wirken in Wörishofen
Sebastian Kneipp kam am 2. Mai 1855 nach Wörishofen und trat seine Stelle als Beichtvater im örtlichen Dominikanerinnenkloster an. Der junge Pfarrer hatte zuvor durch Selbstheilung von der Tuberkulose die Heilkraft des Wassers entdeckt und ein eigenes Hydrotherapie-Konzept entwickelt. In Wörishofen begann Kneipp, Kranke mit seinen Wasseranwendungen zu behandeln. Die Anzahl der Hilfesuchenden wuchs beständig, und sein Erfolg sprach sich schnell herum: Schon in den 1870er und 1880er Jahren reisten immer mehr Patienten aus ganz Deutschland und Europa an, um sich von Kneipp kurieren zu lassen. Aus dem verschlafenen Bauerndorf wurde binnen weniger Jahrzehnte ein lebhafter Kurort, denn Kneipp behandelte Tausende Patienten aller Gesellschaftsschichten vor Ort. Hotels, Pensionen und Gastwirtschaften eröffneten, um die Kurgäste zu beherbergen. 1881 übernahm Kneipp zusätzlich die Stelle als Pfarrer der Gemeinde St. Justina, und in den Folgejahren stieg seine Bekanntheit weiter an. 1886 veröffentlichte er sein Buch Meine Wasserkur, 1889 folgte So sollt ihr leben! – Bestseller, die Kneipps Ruf als Naturheiler europaweit festigten.
TIPP: Wer Bad Wörishofen besucht, sollte unbedingt das Sebastian-Kneipp-Museum im Dominikanerinnenkloster besichtigen. Dort erfährt man anschaulich mehr über Kneipps Leben, sein Wirken in der Kneippstadt und die Geschichte der Naturheilverfahren.
Zusammenfassung:
Sebastian Kneipps Wirken verwandelte Bad Wörishofen von einem unbekannten Bauerndorf in einen international renommierten Kurort. Ohne Kneipps Pionierleistungen in der Naturheilkunde hätte Wörishofen wohl nie den Status als Kneipp-Heilbad und schließlich als Stadt erreicht.
Schon gewusst?
Bad Wörishofen zählte 1975 rund 1,44 Millionen Übernachtungen – ein historischer Höchstwert für den Kurort.
Vom Kurort zum „Bad“: Kneippstadt Wörishofen im Aufstieg
Bereits zu Kneipps Lebzeiten erhielt Wörishofen den inoffiziellen Status eines Kneipp-Kurorts. Im Dezember 1890 gründeten Kneipps Anhänger den ersten Kneipp-Verein, und der Gemeinderat stimmte dem organisierten Kurbetrieb zu. In jenen Jahren kamen im Sommer bis zu 6.000 Kurgäste nach Wörishofen. Kneipp bestand darauf, dass auch mittellose Kranke kostenlos behandelt wurden, und legte Wert auf eine karitative Ausrichtung des Kurwesens. Nach über 40 Jahren Tätigkeit in Wörishofen verstarb Sebastian Kneipp am 17. Juni 1897 in Wörishofen. In der Folge ging die Zahl der Kurgäste zunächst zurück. Doch engagierte Bürger und Ärzte vor Ort hielten Kneipps Erbe lebendig und sorgten dafür, dass der Kurort weiterbestehen konnte.
Wie wurde Bad Wörishofen zum Kurort?
Kneipps Behandlungserfolge hatten Wörishofen schon um 1890 faktisch zur Kurstadt gemacht. Nach dem Ersten Weltkrieg erkannte die Gemeinde ihre Chance und beantragte die staatliche Anerkennung als Heilbad. Am 6. März 1920 war es so weit: Das bayerische Innenministerium verlieh Wörishofen offiziell das Prädikat „Bad“, womit der Ort zum anerkannten Kneipp-Heilbad wurde. Im Jahr 1949 folgte schließlich die Stadterhebung Bad Wörishofens – damit war Wörishofen nicht nur Kurort, sondern erhielt auch formal die Stadtrechte verliehen. Übrigens gilt Bad Wörishofen bis heute als das „Kneipp-Original“ – hier wurde die weltbekannte Naturheilmethode begründet, die mittlerweile vielerorts angewendet wird.
Bad Wörishofen im 20. Jahrhundert: Kurboom und Modernisierung
Nach 1920 blühte der Kneipp-Kurort weiter auf. In den 1920er und 1930er Jahren reisten jährlich zehntausende Gäste zur Kur an. Während des Zweiten Weltkriegs musste der Kurbetrieb allerdings pausieren; viele Kurkliniken und Hotels wurden als Lazarette genutzt. Direkt nach Kriegsende diente Bad Wörishofen zeitweise als Flüchtlingslager für Heimatvertriebene, doch schon ab den 1950er Jahren gewann der Kurtourismus wieder an Bedeutung. 1949 war Bad Wörishofen außerdem die erste Stadt, die offiziell als Kneippheilbad bezeichnet wurde. In den folgenden Jahrzehnten stiegen die Gästezahlen rasant: 1955 zählte man bereits rund 39.000 Kurgäste mit 719.000 Übernachtungen, und bis 1975 wuchs die Zahl auf 69.000 Gäste mit 1,44 Millionen Übernachtungen an. Bad Wörishofen entwickelte sich damit zu einem der führenden Kurorte Deutschlands.
1. Mittelalterliche Klostergründung (1243)
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2. Kneipps Wirken (ab 1855) – Aufstieg zum Kurort
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3. Offizielle Anerkennung: Bad (1920) & Stadt (1949)
Zentrale Meilensteine der Stadtgeschichte von Bad Wörishofen
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1067 | Erste Erwähnung von „Werenshova“ (Wörishofen) | Ältester urkundlicher Nachweis des Ortes |
| 1243 | Übergabe Wörishofens an den Dominikanerorden | Grundstein für die Klostergründung in Wörishofen |
| 1855 | Sebastian Kneipp wird Beichtvater im Kloster | Beginn von Kneipps Wirken im Ort; Start der Kneipp-Kur |
| 1890 | Wörishofen erklärt sich zum Kneipp-Kurort | Erster Kneipp-Verein gegründet; Kuranwendungen ziehen tausende Gäste an |
| 1920 | Verleihung des Prädikats „Bad“ | Offizielle Anerkennung als Heilbad (Kurort) |
| 1949 | Erhebung zur Stadt (Stadtrechte) | Bad Wörishofen wird erste Kneipp-Kurstadt Deutschlands |
Bedeutung der Kneipp-Lehre für Bad Wörishofen und ihre internationale Anerkennung
- Kneipp-Original Bad Wörishofen: Die Kneippstadt gilt als Geburtsort der weltbekannten Kneipp‘schen Naturheilmethode
- Seit 2015 gehört Kneipps Gesundheitslehre offiziell zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland (Deutsche UNESCO-Kommission)
- Kneipps Therapiekonzept basiert auf fünf Elementen (Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter & Balance), die bis heute in Bad Wörishofen praktiziert werden
Historische Entwicklung Bad Wörishofens von der Klostergründung zur Kurstadt
1. Klostergründung (1243)
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2. Kneipps Wirken ab 1855
↓
3. Bad-Prädikat 1920 & Stadterhebung 1949
Fazit
Abschließend zeigt sich, dass die Geschichte Bad Wörishofen untrennbar mit Sebastian Kneipp verknüpft ist. Ohne Kneipps Wirken wäre aus dem kleinen Wörishofener Dorf wohl kein überregional bedeutender Kurort geworden. Bis heute prägen Kneipps Lehren und sein Erbe die Kneippstadt – von traditionellen Kuranwendungen bis zum internationalen Ruf als Gesundheitszentrum. Besuchen Sie Bad Wörishofen selbst und erleben Sie Kneipps Geschichte hautnah – beispielsweise im Kneipp-Museum oder bei einer originalen Kneipp-Kur in dem modernen Kurort.
Quellen
- Kur- und Tourismusbetrieb Bad Wörishofen – Geschichte Bad Wörishofen (PDF-Dokument)
- Allgäuer Zeitung (Holger Mock): 100 Jahre „Bad“: Kneippstadt Wörishofen feiert Jubiläum, 06.03.2020
- Wikipedia: Bad Wörishofen – Geschichte
- Kneipp-Bund e.V.: Historie Sebastian Kneipp
- Kneipp.com (Pressemitteilung): Kneippen wird Kulturerbe, 23.12.2015